Auf Cogito, dem Wissensmagazin der Universität Luzern, ist ein Gespräch publiziert worden mit Professorin Sara Rubinelli zur Behördenkommunikation in der Corona-Krise. Zur Frage der Behördenkommunikation gegen Verschwörungstheorien sagt Sara Rubinelli:
«Es braucht Expertinnen und Experten, die wissen, wie die Technik der Manipulation funktioniert. Falschmeldungen sind einfach zu widerlegen, aber Verschwörungstheorien sind schwieriger anzugehen. Solche Theorien sind attraktiv, weil sie die komplexe Realität vereinfachen. Zudem sind ihre konstruierten Zusammenhänge für Laien oft schwer zu widerlegen. Es braucht Kommunikationsexpertinnen und -experten, die Behauptungen entlarven können. Man könnte beispielsweise eine Fernsehsendung produzieren, in der das BAG die bekanntesten Theorien unter die Lupe nimmt und beschreibt, was daran nicht stimmt. Das braucht Mut, weil man sich damit angreifbar macht. Dazu möchten wir die Behörden ermuntern.»
In den Gesundheitsinstitutionen sollten Expertinnen und Experten genau beobachten, was für Diskussionen auf den verschiedenen Kanälen stattfinden. Und sie sollten Falschmeldungen systematisch einordnen und richtigstellen, auch in den sozialen Medien.
Aktivere Behördenkommunikation in Gesundheitsfragen
Um sich in den sozialen Medien Gehör zu verschaffen, sollten Gesundheitsinstitutionen quasi zu Influencern werden:
«Heute reicht es nicht mehr, die Wahrheit zu wissen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass sie gehört wird. Die Behörden müssen lernen, wie Influencerinnen und Influencer zu kommunizieren und zu funktionieren. Die Frage sollte sein, wie man es erreicht, attraktiv und interessant zu sein für die Community. Wir müssen aufhören zu denken, dass wir schlecht kommunizieren, wenn wir Überzeugungsarbeit leisten. Niemand hört zu, nur weil es das BAG ist, das etwas kommuniziert. Diese Zeiten sind vorbei.»
Sara Rubinelli untersucht nun, wie die offizielle Kommunikation in der Corona-Krise war und wie sie sich veränderte. Zudem will sie erforschen, wie die Medien berichteten und wie zufrieden die Bevölkerung mit der Behördenkommunikation war. Schlussendlich möchte sie verschiedene Richtlinien ausarbeiten, etwa wie Behörden durch ihre Kommunikation die Ausbreitung von Falschmeldungen eindämmen können.
Viele Forschende seien auf Social Media nicht präsent, sagt Rubinelli. Die Wissenschaft befinde sich generell in einer Krise der Glaubwürdigkeit. Nur weil sie die Fakten und das Wissen haben, bedeute das noch lange nicht, dass man ihnen zuhört. Denn auf der anderen Seite gebe es all die Menschen, die Unwahrheiten verbreiten: «Sie posten ihre Meinungen im Minutentakt und sind dauerpräsent. Wichtig ist, dass wir uns einmischen und dort unsere Stimme erheben, wo etwas klar nicht den Fakten entspricht.»
Quelle:
«Ohne Vertrauen geht gar nichts»
Forschung zur Behördenkommunikation in einer Gesundheitskrise (Cogito Wissensmagazin)
Anmerkungen:
Um Umgang mit Falschnachrichten und Verschwörungstheorien gibt es bei Wissenschaft und Gesundheitsinstitutionen tatsächlich viel Optimierungsbedarf.
Hier geht’s zu einem Beitrag über:
Wissenschaftsverweigerung / Wissenschaftsleugnung